HANDCHIRURGIE - ELLENBOGENCHIRURGIE - FUSSCHIRURGIE


SCHWERPUNKTE & INFORMATIONEN -> Handchirurgie

• Frische Verletzungen der Knochen, Gelenke, Weichteile, Gefäße und Nerven

Kahnbeinfraktur
perkutane und offene Kahnbeinverschraubung

Beschreibung:
Das Kahnbein (Os scaphoideum, Skaphoid) ist der mobilste Handwurzelknochen und auch derjenige, der am häufigsten bricht. Er bildet die radiale Säule der körpernahen Handwurzelknochen und stellt ein Verbindungsglied zwischen den beiden Handwurzelreihen dar. Das Skaphoid hat eine sehr komplizierte, dreidimensionale Geometrie und ist mit dem Mondbein (Os lunatum) und dem großen und kleinen Vieleckbein (Os trapezium und Os tapezoideum) durch einen straffen und sehr kompliziert aufgebauten Bandapparat verbunden.

Ursache: Sturz auf die Hand oder Ballschlag: dabei wird das Handgelenk kräftig über 95° nach hinten umgebogen. Dazu sind Gewalteinwirkungen von 209 bis 436 kg notwendig (Weber und Chao 1978)

Das Skaphoid hat eine sehr schlechte Blutversorgung und heilt daher nur sehr langsam. Ein kleines, körpernahes Bruchstück oder ein verschobener Bruch sind noch schwieriger zu behandeln (Gelberman und Menon 1980, Menapace et al 2001).

Alter, Geschlecht:
Altersgipfel 20 - 30 Lebensjahr
Männer : Frauen = 5 : 1
2% aller Frakturen

Bruch-Lokalisation:
70 - 80% im mittleren Drittel des Kahnbeins, heilt relativ gut.
10 - 20% im körpernahen Drittel, heilt schlecht.

Symptome:
Ein entsprechendes Trauma muss vorausgegangen sein (s.o.). Schmerzen und Schwellung am Handgelenk im Bereich der Tabatière, die im Vergleich zur Gegenseite verstrichen ist (Abb. 2). Die Beschwerden werden häufig als Verstauchung gewertet. Bewegungseinschränkung besonders bei Streckung des Handgelenks. Schmerzen beim Greifen und Halten. Beschwerden lassen oft nach einigen Tagen oder Wochen nach. Wenn der Bruch nicht verheilt (Pseudarthrose = Falschgelenk), können sie dann plötzlich z.B. nach einem kleinen Unfall wieder auftreten.

Technische Untersuchung:
Röntgenaufnahmen:
Kahnbeinquartett: Röntgenaufnahmen in vier verschiedenen Ebenen.
Röntgenbild mit Faustschluss und maximaler Abwinkelung des Handgelenks zur Ellenseite (Compson 1997).
Computertomogramm: Sehr genaue Darstellung der knöchernen Strukturen mit Rekonstruktion der Schnitte in verschiedenen Ebenen (Ein- oder Mehrzeilen-Spiral-CT). Beste Information über Verlauf des Bruches und Einstauchung der Bruchstücke. Sollte zur weiteren Planung der Behandlung bei jedem Kahnbeinbruch durchgeführt werden (Coblenz et al. 2006).
Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie = MRT): Zur Darstellung der Durchblutung des Kahnbeins mit Kontrastmittelgabe und zur Abklärung eines Bruches bei unsicheren Röntgen- oder CT-Befunden. Die äußeren kortikalen Strukturen bilden sich nicht gut ab (Memarsadeghi et al. 2006).
Szintigraphie: Einspritzen radioaktiver Substanzen in die Blutbahn. Findet sich 3 Tage nach dem Unfall keine Anreicherung, kann ein Bruch ausgeschlossen werden. Zu Gunsten des MRT (keine Strahlenbelastung) weitgehend verlassen.

Behandlung: 
abhängig von der Art des Bruches:
Konservativ: bei unkomplizierten, nicht verschobenen Frakturen im körperfernen und mittleren Drittel des Kahnbeins (ca. 80%): 6 bis 8 Wochen Unterarm-Daumengips (Burge 2001).
Wichtig: der Gips muss immer so fest sitzen, dass das Handgelenk darin nicht bewegt werden kann. Er sollte daher ca. alle 2 Wochen gewechselt werden.
Anschließend Bewegungsübungen des Handgelenks, Krafttraining, evtl. Krankengymnastik.

Operativ: alternativ zur konservativen Behandlung bei unkomplizierten Brüchen. 
Betäubung: Oberarm (Plexusanästhesie). Auf Wunsch kann auch in einer kurzen Vollnarkose operiert werden.
perkutane Verschraubung: über einen kleinen Schnitt am Handgelenk (Abb. 6) wird eine spezielle Schraube in den Handwurzelknochen eingedreht, um den Bruch zu Fixieren.
Der Vorteil ist, dass auf den störenden Gipsverband verzichten und der Patient das Handgelenk sofort wieder bewegen kann. Dadurch wird die Rehabilitationszeit deutlich verkürzt (Bond et al. 2001). Stärkere Belastungen der Hand sollten aber für ca. 6 Wochen vermieden werden, bis der Bruch ausgeheilt ist. Die Schraube muss nicht entfernt werden, wenn sie nicht stört.

offene Versorgung: bei verschobenen, eingestauchten oder instabilen Brüchen. Freilegung des Kahnbeins und offene Einrichtung der Bruchstücke, ggf. Aufrichtung mit einem Knochenspan und, je nach Ausmaß der Verletzung, Verschraubung oder Fixierung mit Drähten, evtl. zusätzlich Ruhigstellung im Gips- oder Kunststoffverband.

Nachbehandlung und Prognose:
konservativ: 6 bis 8 Wochen Unterarmgips- oder -kunststoffverband, dann krankengymnastische Mobilisation.

perkutane Verschraubung:Wundverband mit kleiner Gipsschiene, die zur Schmerzlinderung einige Tage getragen werden kann. Sie darf vom Patienten, je nach Wundschmerz selbst entfernt werden. Nach dem Eingriff sofort Bewegungsübungen der Finger dann auch des Handgelenks. Krankengymnastik ist bei unkomplizierter Heilung nicht nötig.
Nach 6 Wochen Röntgenkontrolle und zunehmende Belastung der Hand. Nach 12 Wochen abschließende Röntgenkontrolle.

offene Versorgung: Je nach intraoperativem Befund und Art der Operation ggf. Ruhigstellung im Gips- (Kunststoff-) Verband bis zu 12 Wochen. Drähte werden vor der Mobilisation entfernt, die Schraube kann belassen werden.

Zuletzt geändert: 12.12.2006


1. Kahnbeinfraktur


2. Schwellung am rechten Handgelenk


3. Kunststoffverband bei konservativer Behandlung


4. Zweiteilige Doppelgewinde-Schraube zur stufenlosen 
Kompression (TwinFix, von uns mit der Firma Stryker Leibinger entwickelt)


5. verschraubte Fraktur


6. Wunde nach der Operation